07 Jul

Tarot Tarot-Objekte das Projekt

Tarot-Objekte 1996 – 2018
Tarot-Decks sind in der Regel nur in Form zweidimensionaler Kartengrafik zu erfahren. Als bildender Künstler hat mich die Transformation dieser Karten in die dritte Dimension fasziniert. Die Abstraktion dieser überaus komplexen Karteninhalte, ihre tiefgreifende Symbolik in Form und Farbe in transzendierte Linienführung, ist ein Hauptbestandteil dieser Arbeit. Im Gegensatz zu den informationsbeladenen Kartendarstellungen schafft diese reduzierte Formensprache mehr Raum für die Intuition und Imagination des Betrachtenden.

Tarot-Objekte
Die Tarot-Karten begleiten mich schon sehr lange. Ich habe sie beständig über die Jahre in mein Leben und meine persönlichen Belange integriert. Was mir bei dem Umgang mit den Karten immer sehr wichtig erschien, ist das intuitive und spielerische Moment in Verbindung mit der situativen Emotion. Ich glaube, es ist für die meisten Menschen weniger wichtig, das überaus breit angelegte akademische Wissen über die komplexen Zusammenhänge der Karte an sich oder in Konstellation zueinander intellektuell zu erfassen, sondern vielmehr die Karte zu verstehen, als immer wieder neu zu entdeckendes, neu zu lesendes und neu zu meditierendes Reservoir.

Diese Einstellung hat mich zu den vorliegenden Interpretationen der Großen Arkana geleitet. Der zwingende Grad an Abstraktion durch das von mir gewählte Medium der „Linien-Skulptur“ ist enorm und mag die Liebhaber großartiger Tarot-Decks, wie der von A. Crowley oder Akron vielleicht etwas verstören. Doch meiner Überzeugung folgend, dass Abstraktion Raum schafft für Intuition und hintergrundbefreite Phantasie, sind die Tarot-Skulpturen für den Geübten wie weniger versierten Anwender ein echter Zugewinn. Die hier vorgestellten Tarot-Objekte bilden den Anfang eines noch fortzuführenden Projektes: Tarot in einer neuen Anwendungsform durch einen begehbaren Raum der Stille, in dem die hier gezeigten Tarot-Objekte an den Wänden hängen. Der Fragesteller oder Suchende hat in einer solchen Umgebung die Möglichkeit, nicht singuläre Antwort durch einige gezogene Karten zu erhalten, sondern vielmehr als fast schon körperliches Erlebnis, die gesamte Kraft des Tarot-Mysteriums nach seinem Ermessen auf sich einwirken zu lassen, und bewusst oder unbewusst zu nutzen, um so seine singuläre Inspiration durch einfach „Sein“ zu erhalten oder die ganzheitliche Initiation durch Meditation zu erfahren.

Ausführung und Entwurf
Im Gegensatz zu den meist sehr detailintensiv gemalten Karten habe ich mich auf maximal fünf darstellende Ausdrucksebenen beschränkt. Als Basis die gesprayte Hintergrundfarbe der Plexiglasscheibe (außer XXI), die in enger Verbindung korrespondiert mit der zweiten Ebene, den auf die Vorderseite geklebten Folienelementen in individueller Form und maximal zwei Farbausführungen (außer XII und XX). Der Gipskorpus als dreidimensionaler Hauptakt in der dritten Ebene verleiht dem Gedanken Gestalt. Die Farbe des Korpus` spiegelt als vierte Ebene den farblichen Kerngedanken des Themas wider (außer XIII und XXI). Den Abschluss, die äussere Haut, bildet der Nylonüberzug (außer XXI) als fünfte Ebene, die der Skulptur eine gewollte formale Unschärfe verleiht, um dadurch einen neuen Raum zu schaffen, der zwischen Aussage der Skulptur und dem Rezipienten steht.

Der Entwurf der Skulpturen basiert auf einer meditativen Sitzung über das Liber Al vel Legis und dem Book of Thoth von A. Crowley. Während dieser zwei Stunden sind alle Skulpturen wie in einer nicht enden wollenden Linie „aus einem Guß“ entstanden und wurden auch nachträglich nicht mehr verändert. Die farbig formalen Aspekte der hier gezeigten Interpretationen haben ihre inspirative Grundlage in dem von Lady Frieda Harris umgesetzten Crowley-Tarot.

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